Michael Schulz aus Zimmern hat in der Stiebritzer Schule derzeit alle Hände voll zu tun. "Er ist zur Zeit unser wichtigster Mann", sagt Karla Körbs, Schulleiterin der Grundschule "Talblick".
Stiebritz. Die Schule habe nur eine halbe Hausmeisterstelle und "ein Mann allein hätte niemals geschafft, das Dachgeschoss unserer Schule komplett zu beräumen", ergänzt sie. Unterm Dach der Schule auf der Höhe wurde schon seit Jahren nicht mehr gelernt. Denn durch das undichte Dach tropfte es bei Regen. Der Wind, der hier oben häufig stark weht, drückte das Wasser sogar durch marode Fensterrahmen und die Wand. Die Zimmer dienten großteils als Abstellkammer. Lediglich zwei waren noch vernünftig zu nutzen, in einem hatte das kleine Schulmuseum sein Domizil. Doch auch das ist nun zusammengepackt, in Kisten verstaut und weggeräumt. Sämtliche Möbel sind weggeräumt, die alten Schultafeln demontiert. In der gesamten Etage herrscht nun "Baufreiheit". "Das ist ein schönes Wort, es hat einen guten Klang für mich", sagt Karla Körbs und spielt auf die lange Zeit an, die Lehrer und Eltern sich für eine Sanierung der Schule und damit den Erhalt des Schulstandortes stark gemacht hatten. Dass dies nun endlich Realität wird, freue alle Beteiligten. Nachdem bereits im Vorjahr das Dach des Gebäudes saniert wurde, sollen darunter nun in den kommenden Monaten die Bauschäden beseitigt und die Räume wieder zu freundlichen Klassenzimmern hergerichtet werden. Neue Fußböden werden verlegt und die Wände angestrichen. Ganz neu eingerichtet dafür werden sogar Wände gesetzt wird ein Werkraum. Die Ausstattung des bisherigen stammte noch aus der Anfangszeit der Schule, den frühen 70-er Jahren. "Mit Beginn des neuen Schuljahres werden wir die ganze Etage beziehen können", hofft die Schulleiterin. Die gesamte Schule zieht dann eine Etage nach oben, wodurch das Erdgeschoss für den Hort frei werde. Der ist zur Zeit noch im Untergeschoss zu Hause, das jedoch als Domizil für den Kindergarten "Kleine Strolche" umgebaut werden soll. Ihr jetziges Haus in Nerkewitz ist viel zu klein für die "Strolche".
Nach jahrelangem Ringen haben sich die Gemeinden Hainichen/Stiebritz und Lehesten/Nerkewitz mit dem Landkreis als Schulträger geeinigt, die Schule in Stiebritz zu einem "Haus der Kinder" zu machen. Gemeinsam tragen die Beteiligten auch die Kosten der aufwändigen Sanierung und des Umbaus. Knapp zwei Millionen Euro sollen dafür aufgewendet werden, berichtete Landrat
Andreas Heller gestern Vertretern der Elternschaft und des Schulfördervereins bei einem Baustellentermin. 624 000 Euro werden aktuell verbaut, zu 75 Prozent wird die Maßnahme gefördert. Den Rest der Kosten teilen sich Kreis und Gemeinden zur Hälfte. Auch von der Regionalen Aktionsgruppe "Entwicklung im ländlichen Raum" bekomme das "Haus der Kinder" Fördermittel. Wenn die Bauleute im März im Dachgeschoss anrücken, dann wird das nicht die einzige Baustelle sein. Denn parallel soll es auch mit Tiefbauarbeiten und der Dämmung des Gebäudes auf der Hofseite weitergehen. Im "Gartengeschoss" des künftigen Kindergartens sollen auch bald neue Fenster eingebaut werden. Die neuen Fenster für die drei Schuletagen kommen erst 2013. Doch damit nicht genug, "2014 kommt die Fassade dran, und auch die Turnhalle soll saniert werden", berichtet Steffen Grosch, Amtsleiter im Gebäude- und Liegenschaftsmanagement des Kreises. Eine neue Heizung soll auch folgen. Aber erst einmal wird jetzt unterm Dach gewerkelt, damit im Sommer im Untergeschoss endlich Baufreiheit für den Kindergarten herrscht.
Angelika Schimmel / 14.02.12 / OTZ